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ver.di übergibt zusammen mit Beschäftigten Luftverkehrskonzept vor dem Bundestag

01.07.2020 - Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) übergibt am morgigen Donnerstag (2. Juli 2020) begleitet von einer Delegation von Beschäftigtenvertretern ihr Luftverkehrskonzept und die Forderungen  der Tourismusindustrie an Teile des Kabinetts. Die Delegation besteht aus Beschäftigten vieler Airlines, Beschäftigten von  Bodenverkehrsdiensten und Flughafenbeschäftigten. Unter dem Motto "Ihr fliegt in den Urlaub - Wir fliegen raus! Wer  rettet uns?" wird die Delegation zwischen 11 und 12 Uhr in Berlin, vor dem Reichstagsgebäude, Platz der Republik das Konzept  überreichen.

"Der Druck auf die Beschäftigten steigt von Minute zu Minute. Egal ob der angekündigte Personalabbau bei easyJet und TUIfly oder die geforderten Gehaltseinbußen von Lufthansa über Condor bis Ryanair  oder die generelle Frage des Fortbestehens von Flughäfen und  Bodenverkehrsdienstleistern - den Beschäftigten steht das Wasser bis zum Hals", kritisiert die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle. "Angst, Unruhe und Empörung machen sich breit, weil  Unternehmen, denen staatliche Hilfen in Milliardenhöhe gewährt  werden, im selben Atemzug Beschäftigungsabbau und Gehaltskürzungen  ankündigen." Besonders betroffen seien die Beschäftigten von Germanwings, LGW und Sunexpress Deutschland.

Große Probleme gebe es auch bei easyJet, die angekündigt habe, ihre Flotte in Berlin zu halbieren. easyJet hat an ihrer einzigen  deutschen Basis in Berlin aktuell 34 Flugzeuge stationiert, bereits zum Jahresende 2020 soll nach Ankündigungen des Unternehmens diese Zahl auf 18 schrumpfen. Außerdem ist offenbar geplant, auch die Zahl der Beschäftigten von jetzt 1.540 um 738 zu halbieren. Eine Entscheidung, die nicht nachvollziehbar und auch nicht mit den Pandemie-Folgen zu erklären sei. Wenn der BER im Herbst ans Netz gehe, eröffne das für den Flugverkehr von und nach Berlin neue Chancen. Nach internen Informationen wolle sich easyJet aus dem innerdeutschen Flugverkehr zurückziehen.

Auch die Beschäftigten bei Malta Air und Laudamotion, beides Unternehmen der Ryanair-Gruppe, seien extrem unter Druck. Trotz der Ankündigung, mit Gehaltsverzicht Arbeitsplätze sichern zu wollen, verweigert Malta Air einen tarifvertraglichen Kündigungsschutz. Dieser ist jedoch eine Vorbedingung für ver.di, um über einen möglichen Gehaltsverzicht zu verhandeln. Laudamotion habe bereits angekündigt, die Basen in Düsseldorf und Stuttgart zu schließen, sollte ver.di den vorgelegten Tarifvertrag nicht bis morgen unterschreiben. Nach bereits erfolgten massiven Zugeständnissen bei den Entgelten solle jetzt auch noch die Betriebszugehörigkeit der Beschäftigten erheblich verkürzt werden.

Um auf die dramatische Situation der Beschäftigten aus der Luftverkehrsindustrie und dem Tourismus aufmerksam zu machen, wird stellvertretend eine Delegation die Forderungen an die Politik übergeben. Es werde derzeit in der gesamten Luftverkehrsbranche versucht, Sozialdumping zu betreiben, betont Behle. Auch bei Bodenverkehrsdienstleistern wie AHS (Aviation Handling Services) oder touristischen Dienstleistern wie TUI AG oder Galeria Reisen (ehemals Thomas Cook) seien die Beschäftigten von harten Einschnitten und akutem Arbeitsplatzverlust bedroht. "Umfassende Staatshilfepakete wie beispielsweise für Lufthansa sind nicht an Bedingungen wie Arbeitsplatzerhalt, Schutz der Arbeitsplätze und ökologische Nachhaltigkeit gebunden. Dieses Versäumnis ist außerordentlich problematisch", so die stellvertretende ver.di-Vorsitzende. Ein sozialer, nachhaltiger Luftverkehr sei möglich. Die Politik müsse jedoch ihrer Verantwortung gerecht werden und sich für den Luftverkehrsstandort Deutschland und seine Beschäftigten stark machen.

ver.di und die Vereinigung Cockpit hatten bereits vor zwei Wochen einen Brief mit mehr als 20.000 Unterschriften von Beschäftigten an die Bundeskanzlerin und das Bundeskabinett übergeben. In diesem Schreiben fordern die Beschäftigten im Luftverkehr, jede Form von Staatshilfe an die Zusage der Unternehmen zu binden sowie Beschäftigung und Einkommen ihrer Beschäftigten zu schützen. (mehr unter www.schutz.aero).