Nachrichten

Tarifinfo LGW Kabine: Ein Sozialplan der keiner ist

Tarifinfo LGW Kabine: Ein Sozialplan der keiner ist

Geschäftsführung lässt keine tarifliche Regelung zu und die Ungewissheit in der Kabine bleibt bestehen

01.11.2018

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

wir haben in den vergangenen Wochen intensiv mit der Geschäftsführung um Lösungen im Zusammenhang mit der Ausflottung der Airbus und der Verkleinerung der Dash-Flotte verhandelt. Am Montag kam es zur letzten Verhandlungsrunde.

Vorgesehen ist ein Paket aus Angeboten, die die Geschäftsführung (GF) den in Berlin (und zum Teil auch in Nürnberg) stationierten Kolleg/innen anbieten möchte:

  • Wechsel zu GWI
  • Wechsel der Station in der LGW
  • Abfindung

Wir konnten uns in einigen Punkten annähern, so ist die GF uns in der Frage der Wechselprämien entgegengekommen. Sie bietet nun an, bei einem Wechsel nach STR oder DUS 6.000 einmalig und 24 Monate lang 500 € zu zahlen. Das gleiche gilt für den Wechsel an die GWI-Stationen CGN, HAM und STR. Für den Wechsel zur GWI hat die GF zugesagt, dass die Vorerfahrung bei der Eingruppierung in den neuen Tarif berücksichtigt werden soll.

  • In einigen wesentlichen Punkten allerdings konnte keine Einigung erreicht werden:
    Entgegen vorheriger Zusagen wurde das Angebot des AOC-Wechsel in der EW-Gruppe auf die GWI und die Stationen TXL, CGN, HAM und STR beschränkt. Die Eurowings, die höchstwahrscheinlich demnächst mit LGW-Airbus fliegen wird, wird nicht als Wechsel-Option zugelassen.
  • Für befristete Kolleg/innen werden keine Angebote gemacht.
  • Für die Kolleg/innen in Elternzeit gibt es ebenfalls keine klaren Regelungen. Sie haben, wenn sie sich in den kommenden Monaten im Mutterschutz oder der Elternzeit befinden, keine Möglichkeit, sich an den Bewerbungen zu beteiligen.
  • Die Einstellungen bei GWI erfolgen mit einer erneuten Bewerbung und Probezeit und als Flugbegleiter/CCM. Purser/SCCM-Ausschreibungen sind für TXL nicht vorgesehen
  • Zudem bleiben wesentliche Punkte im Unklaren, wie z.B. die Sozialauswahl gehandhabt wird, nach der entschieden werden soll, wer sich letztlich bei der GWI bewerben darf.
  • Wir haben eine Kontrollmöglichkeit gefordert, um den korrekten Ablauf aus Beschäftigtensicht überwachen zu können. Schließlich wird es darum gehen, eine geringe Anzahl von Arbeitsplätzen bei der GWI in Berlin zu vergeben. Aber die GF wollte dieser Forderung nicht nachkommen.
  • Die GF wollte sich in der Vereinbarung nicht auf die Anzahl der Arbeitsplätze, die für Bewerbungen zur Verfügung gestellt werden festlegen. Dies wird von Seiten der GWI nach Bedarf festgelegt.

Daher müssen wir damit rechnen, dass nur ein kleiner Teil der 190 Kolleg/innen in Berlin die Chance auf einen Wechsel Richtung GWI in TXL haben wird. Für alle anderen auch an den anderen Stationen bedeutet dies, dass wir in Zukunft weiterhin mit wenig Flugstunden auf unser Grundgehalt zurückgeworfen sind.

Ein entscheidender Punkt ist dabei: Die GF war nicht bereit, dies als tarifliche Einigung zu vereinbaren. Sie bestand auf den Passus:

Bei dieser Vereinbarung handelt es sich um eine rein schuldrechtliche Vereinbarung zwischen den Unterzeichnern. Diese Vereinbarung ist kein Tarifvertrag. Auch ist ausdrücklich nicht beabsichtigt, diese Eckpunkte in einen Tarifvertrag zu überführen. Individualrechtliche Ansprüche können aus dieser Vereinbarung nicht hergeleitet werden.

Damit stellt das Angebot keinen verbindlichen Tarifvertrag dar und die Beschäftigten haben keine Möglichkeit, für sich Ansprüche daraus abzuleiten. Aber bitte sehr: Was soll ein Vertrag aus dem keine Ansprüche entstehen? Als Tarifkommission haben wir von euch den Auftrag, verlässliche Regelungen zu finden und nicht Augenwischerei zu betreiben. Das ist in unseren Augen ein Hohn gegenüber den Beschäftigten. Verbunden mit dem Fehlen einer Kontrollmöglichkeit ergibt sich eine sehr unverbindliche Lage.

Am 30.10. haben wir das Angebot im Rahmen unserer Mitgliederversammlung in Berlin diskutiert und die Versammlung hat ein deutliches Votum abgeben, den Vorschlag der GF nicht zu unterstützen. Die Tarifkommission hat darauf und nach intensiver Bewertung und Diskussion die Entscheidung getroffen, das Angebot nicht anzunehmen.

Wie geht es nun weiter?
Die GF hat schon in den Verhandlungen angekündigt, die Angebote auch ohne Zustimmung der Gewerkschaften umzusetzen und wird nun über die Angebote informieren und das Bewerbungsverfahren starten.

Die UFO hat dem Paket zugestimmt und vermittelt jetzt das Gefühl, dass alles geregelt ist. Leider ist dem nicht so.

Wir raten niemandem ab, sich zu bewerben und unterstützen euch in dem Verfahren:

  • Viele wichtige Punkte werden erst noch in den Arbeitsverträgen / Aufhebungsverträgen festgeschrieben, ver.di steht bereit, hier eine rechtliche Prüfung vorzunehmen.
  • Da Vieles im Ausschreibungsverfahren unklar ist, wendet euch gerne bei Fragen an uns, dann werden wir uns dafür einsetzen, diese rasch zu klären.
  • Sobald die Ausschreibungen und Angebote der GF vorliegen, werden wir euch detaillierter informieren, denn es ist eine kurze Bewerbungsfrist bis Mitte November vorgesehen.

Uns allen steht ein harter Winter ins Haus. Auch wenn wir die GF in den Verhandlungen zu weiteren Zugeständnissen bewegen konnten, reicht das Angebot nicht aus, um den Berliner Kolleg/innen eine verbindliche Perspektive zu schaffen. Durch den Wegfall der Airbus-Flotte und die Reduzierung der Dash-Flotte wird es in Zukunft weiter so sein, dass wir weit unter den 50 Stunden eingesetzt werden. Wir erleiden jeden Monat massive finanzielle Einbußen und diese Situation ist nicht länger hinnehmbar. Wir brauchen mehr denn je eine Erhöhung unserer garantierten Vergütung.

Seit Monaten geht die Geschäftsführung ernsthaften Tarifverhandlung aus dem Weg. Diese Ausweichmanöver können wir nicht länger hinnehmen. Wir haben der GF kurzfristige Verhandlungstermine übermittelt, um noch vor Ende des Jahres eine Erhöhung der Vergütung zu erreichen. Wir halten euch auf dem Laufenden!
 

Jetzt Mitglied werden: www.darum.verdi.de

 

Eure ver.di Tarifkommission LGW Kabine