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Nationale Luftfahrtkonferenz: ver.di schlägt Alarm - Personalabbau im Luftverkehr gefährdet den Neustart

ver.di-Pressemitteilung

17.06.2021 - Zur zweiten nationalen Luftfahrtkonferenz des Bundesverkehrsministeriums schlägt die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) Alarm. Eine bundesweite Umfrage, die ver.di und die Europäische Transportarbeiter Föderation (ETF) zur aktuellen Beschäftigungssituation an den deutschen Flughäfen, im Bereich der Technik, des Airline-Caterings und bei den Anbietern von Bodenverkehrsdienstleistern durchgeführt hat, hat zu beunruhigenden Ergebnissen geführt.

"Die Zahlen zum Personalabbau sind erschreckend", so Mira Neumaier, ver.di-Bundesfachgruppenleiterin für den Luftverkehr: "Angesichts der schon vor Beginn der Pandemie extrem dünnen Personalbesetzung und der großen Belastungssituation für die Beschäftigten steht zu befürchten, dass ein geregelter Neustart im Luftverkehr - auch nur mit 50 Prozent des Vorkrisenniveaus - nicht mehr leistbar sein wird."

Nach den Ergebnissen dieser Umfrage über alle Bereiche haben bereits 16 Prozent der Beschäftigten den Luftverkehr seit Beginn der Pandemie verlassen. Besonders alarmierend sind die Zahlen bei den Bodenverkehrsdienstleistern, die für einen sicheren und reibungslosen Flugbetrieb elementare Dienstleistungen wie zum Beispiel den Check-In, den Passagiertransport, die Gepäck- und Frachtbearbeitung, die Einweisung und das Betanken von Flugzeugen oder die Enteisung übernehmen. In diesem Bereich haben bereits 44 Prozent der Beschäftigten die Unternehmen verlassen.

Abgefragt wurden in der Befragung von ver.di und ETF die aktuelle Anzahl von Beschäftigten sowie der seit April 2020 erfolgte Personalabbau und die Kurzarbeitsquote. Demnach befinden sich aktuell insgesamt immer noch rund 77 Prozent der Beschäftigten in Kurzarbeit. Im Bereich der Bodenverkehrsdienstleister sogar rund 85 Prozent. Der Personalabbau im Luftverkehr fand im Wesentlichen durch betriebsbedingte Kündigungen, Auslaufen von Befristungen und Freiwilligenprogramme statt. Diese Zahlen stellen dabei nur eine aktuelle Momentaufnahme dar. In vielen Unternehmen laufen mindestens noch bis zum Jahresende 2021 weitere Programme zum Personalabbau.

"Was die Beschäftigten im Luftverkehr jetzt brauchen, ist eine klare Perspektive. Hier sind die Politik und die Unternehmen in der Verantwortung", appelliert Neumaier im Vorfeld der nationalen Luftfahrtkonferenz an die Verantwortlichen.

Bisher würden die Unternehmen im Luftverkehr allein auf kurzfristige Krisenbewältigung und weniger auf eine nachhaltige Neuausrichtung nach der Pandemie setzen. "Alle wollen wieder in den Urlaub fliegen - bei den Beschäftigten jedoch regieren Zukunfts- und Existenzängste weiter", betont Neumaier. ver.di sieht die große Gefahr, dass nach der Krise der Personalmangel dazu führe, dass die sozialen Standards, die Qualität und die Sicherheit leiden würden, da die Unternehmen das wirtschaftliche Risiko auf die Beschäftigten abwälzen. Einige Unternehmen würden die staatlichen Zuschüsse nutzen, jedoch nicht auf ein effektives Konzept der Qualifizierung und Qualitätssicherung setzen. Manche Unternehmen würden diese Mittel nutzen, um Menschen nach der Kurzarbeit in die Arbeitslosigkeit zu schicken.