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ver.di kritisiert: Maßnahmenpaket in der Schifffahrtspolitik - aus dem Ruder gelaufen

ver.di-Pressemitteilung

27.11.2020 - Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) beurteilt das von dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) in 2015 geschnürte und jetzt evaluierte Maßnahmenpaket für die Seeschifffahrt kritisch und als nicht erfolgreich. Das "Gesamtpaket zur Stärkung der deutschen Flagge" hatte vor allem die Steigerung des Anteils der Handelsschifffahrt unter deutscher Flagge, verbunden mit sicheren und zukunftsfähigen Arbeits- und Ausbildungsplätzen im maritimen Bereich, zum Ziel.

Damit verbunden werden sollte die erhöhte Attraktivität für die Beschäftigung deutscher bzw. EU-Seeleute sowie die Ausbildung zum Schiffsmechaniker auf hohem Niveau. Diese angestrebten Ziele des Maßnahmenpaketes werden von ver.di mit unterstützt. Die Gewerkschaft hatte Teile des Maßnahmenpaketes befürwortet. Die jetzt erfolgte Evaluierung des "Gesamtpaketes zur Stärkung der deutschen Flagge" zeige nach Ansicht von ver.di jedoch, dass die Maßnahmen nicht als erfolgreich gewertet werden können.

"Wir fordern ein Umsteuern der Schifffahrtspolitik mit der Zielrichtung, Ausbildung und Beschäftigung deutscher Seeleute zu steigern und den Erhalt des maritimen Knowhows abzusichern", betont die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle. Die aktuellen Zahlen im Bewertungszeitraum 2016 bis 2019 würden eindeutig den Rückgang an Schiffen unter deutscher Flagge sowie den Verlust an  Ausbildungs- und Beschäftigungszahlen belegen. Angesichts von nur noch 5.554 beschäftigten deutschen Seeleuten zum Ende Dezember 2019 sei der Verlust von fast 1.000 Seeleuten im Berichtszeitraum äußerst gravierend. Der Abwärtstrend sei nicht gestoppt.

Der Verlust der Beschäftigtenzahl sei nicht nur mit dem Abbau an Schiffen unter deutscher Flagge zu begründen; vielmehr habe die geänderte Schiffsbesetzungsverordnung ursächlich mit dazu beigetragen. Diese Entwicklung werde auch in den Bedarfen an seemännischem Knowhow in den maritimen Landbereichen deutlich. Die Nachfrage nach Seeleuten mit Seefahrterfahrungszeiten steige und könne nicht gedeckt werden. Es sei trotz der höchsten und umfassendsten Förderung für die Seeschifffahrt zudem nicht gelungen,
wenigstens den Status Quo von 2016, geschweige denn einen Anstieg der Ausbildung und Beschäftigung zu erreichen.