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Maritimer Round Table: ver.di fordert Umsteuern in der deutschen Schifffahrtspolitik

ver.di-Pressemitteilung

24.03.2021 - Damit es in der Schifffahrtsbranche wieder bergauf geht, ist ein grundlegender Richtungswechsel hin zu mehr Beschäftigung und Ausbildung erforderlich. Hierzu werden verbindliche Vorschriften benötigt, so die Forderung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) anlässlich des 4. Maritimen Round Table der Gewerkschaft, der gestern im Vorfeld der 12. Nationalen Maritimen Konferenz (10./11. Mai 2021) digital stattfand.

Bei der Maritimen Konferenz sollen die Weichen für die zukünftige deutsche Schifffahrtspolitik gestellt werden. Im Fokus des Round Table der Gewerkschaft standen die bisherigen schifffahrtspolitischen Maßnahmen der Bundesregierung sowie Zukunftsstrategien. Wichtig sei eine Unterstützung durch die Politik, um maritimes Know-how in Deutschland nachhaltig zu sichern. Zudem müssen Perspektiven für Ausbildung und Beschäftigung deutscher Seeleute entwickelt werden.

„Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine Korrektur der Schiffsbesetzungsverordnung dringend notwendig“, betont Maya Schwiegershausen-Güth, bei ver.di für die Schifffahrt zuständig. „Zusätzlich zu den jetzt vorgeschriebenen zwei Seeleuten müssen zwei weitere Nachwuchsoffiziere vorgeschrieben werden. Nur so können die Beschäftigungszahlen deutscher Seeleute stabilisiert und die Ausbildung zum Schiffsmechaniker gesichert werden. Ansonsten wird das maritime Know-how weiter schrumpfen.“

Hintergrund ist, dass seit 2016 ein umfangreiches schifffahrtspolitisches Maßnahmenpaket der Bundesregierung in Kraft ist. Dieses soll nominell helfen, den Schifffahrtstandort Deutschland zu stabilisieren sowie Ausbildung und Beschäftigung deutscher Seeleute zu sichern. Bisher profitieren aus Sicht von ver.di jedoch vor allem die Reeder: Sie können die Lohnsteuer der Seeleute einbehalten und sich den Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung erstatten lassen. Außerdem wurde die Schiffsbesetzungsverordnung angepasst: Anstelle von vier deutschen bzw. EU-Seeleuten sind nur noch zwei vorgeschrieben.

Schwiegershausen-Güth kritisiert, dass die Anzahl der Schiffe unter deutscher Flagge sowie der Auszubildenden und der Seeleute seit 2016 drastisch zurückgegangen sind und die maritime Beschäftigung, die maritime Ausbildung und das maritime Know-how in Deutschland ernsthaft in Gefahr gerät. Dieser Niedergang der deutschen Seeschifffahrt müsse dringend gestoppt werden.