München

Streik bei der Flughafensicherheit

Streik bei der Flughafensicherheit

Über 150 Mitarbeiter der Passagierkontrolle legten die Arbeit nieder

22.04.2016 - Die Reihen vor den Schleusen der Passagierkontrolle zum Abflugbereich wurden länger und länger. Viele der Kontrollstellen waren geschlossen. Über 150 Sicherheitsmitarbeiter versammelten sich stattdessen im Außenbereich zwischen Terminal 1 und Terminal 2. Mit gelben Signalwesten und ver.di-Fahnen in der Hand zeigten sie auch optisch, dass sie dem Warnstreikaufruf der Gewerkschaft ver.di gefolgt sind.

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Flughafenverantwortlicher: „Leider erfolgreich!“

Ein Flughafenverantwortlicher kommentierte den Warnstreik mit den Worten „Leider erfolgreich!“ Offensichtlich hat die Geschäftsführung der Sicherheitsgesellschaft am Flughafen München GmbH (SGM) nicht mit dieser hohen Streikbeteiligung gerechnet. Die SGM ist eine 100%-Tochtergesellschaft des Freistaats Bayern und hat die Aufgabe, die Passagiere und deren Handgepäck vor dem Eintritt in den Luftsicherheitsbereich zu kontrollieren.

Der Streik richtet sich an die Verhandlungsführer auf Arbeitgeberseite im Öffentlichen Dienst. Am 28./29.04.2016 werden die Verhandlungen in 3. Runde fortgesetzt. Bisher haben die Arbeitgeber angeboten, ab 01.06.2016 die Einkommen um 1 % anzuheben und ab 01.06.2017 um 2 %. Das bedeutet, dass die Beschäftigten im Jahr 2016 bezogen auf das Jahreseinkommen lediglich 0,58 % mehr Einkommen bekämen und im Jahr 2017 wäre der Einkommenszufluss bei lediglich 1,17 %.

Einkommensmindernd kommt das Vorhaben der Arbeitgeber dazu, bis 2018 von den Arbeitnehmern einen Eigenbeitrag für die betriebliche Altersversorgung von 0,4 % zu verlangen. Das ist deshalb besonders ärgerlich, weil die bayerischen Arbeitgeber im Jahr 2013 ihre Umlage zur Zusatzversorgungskasse Bayern erst um einen ganzen Prozentpunkt gesenkt haben.

Einsatz der neuen Sprengstoffspürgeräte führt zu hoher Streikbeteiligung

Die hohe Streikbeteiligung hatte aber auch mit einem innerbetrieblichen Thema zu tun. Seit der Einführung der neuen Sprengstoffspürgeräte im Herbst vergangenen Jahres liegen die Nerven bei den Beschäftigten blank. Die gesundheitlichen Probleme der Beschäftigten wurden von den verantwortlichen Stellen beim Luftamt Südbayern, der Regierung von Oberbayern und der Geschäftsführung der SGM abgewiegelt
und kleingeredet. Bisher hat sich niemand ernsthaft der Probleme der betroffenen Mitarbeiter angenommen. Dazu Heinrich Birner, ver.di-Geschäftsführer München und Region: „Mir kommt das manchmal vor wie ein Kartell der Vertuschung“.

Am Rande der Streikversammlung berichteten SGM-Mitarbeiter, dass die neuen Geräte genutzt werden müssen. Wenn Sie dann Alarm melden, muss das Handgepäck oder Kleidungsstück mit einem der bisherigen Geräte nachgeprüft werden. „Das macht mich fassungslos“, so Birner. „Erst werden die neuen Geräte auf Biegen und Brechen eingesetzt und wenn es dann eine Alarmmeldung gibt, ist es das alte Gerät, dessen Analyseergebnis darüber Aufschluss gibt, ob eine reale Gefährdung besteht oder nicht.“