Busse und Bahnen

Was wir besser machen wollen

Was wir besser machen wollen

was wir besser machen wollen ver.di ÖD

Ein eng getakteter Arbeitsalltag – mit viel Verantwortung


Den Spruch „Geschlafen wird am Monatsende…“ haben Sie sicher auch schon gehört. So beschreiben viele Kolleginnen und Kollegen im Öffentlichen Personennahverkehr nur halb scherzhaft ihre Situation, die durch Personalmangel und ständigen Zeitdruck gekennzeichnet ist. Verursacht wird die Überlastung insbesondere beim Fahrpersonal durch immer enger getaktete Dienstpläne sowie durch Lenk- und Schichtzeiten, die von den Arbeitgebern oft bis zu den gesetzlichen Grenzen ausgeschöpft werden.

Zugleich stellt der dichter werdende Verkehr in den Ballungsräumen immer größere Anforderungen an die Fahrer, die die Verantwortung für Fahrgäste und Fahrzeuge tragen. Die Angst vor Fehlern, die im schlimmsten Fall zu Sach- oder Personenschäden führen können, wächst. Schließlich können diese häufig mit arbeits-, aber auch straf- und/oder zivilrechtlichen Konsequenzen verbunden sein. Dazu kommen die Sorge um die eigene Gesundheit, und Probleme wie die schlechte Bezahlung, Nichtberechnung von Wendezeiten als Arbeitszeiten, die Bedrohung durch übergriffig-aggressive Fahrgäste und die fehlende Möglichkeit zum Toilettengang während des Arbeitstages. Eine Situation, die Ihnen sicherlich bekannt vorkommt.


Angst vor dem Jobverlust


Aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks und der Privatisierungstendenzen in der Branche fürchten viele Kolleginnen und Kollegen um ihren Job und gehen im Zweifel auch krank zur Arbeit. Angesichts der strengen Anforderungen an die Fahrtüchtigkeit des Personals bei der Personenbeförderung ist das besonders brisant und ein unzumutbarer Zustand, der schnellstens abgeschafft gehört.

Was zuletzt falsch gelaufen ist. Und was die Folgen sind
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Die aktuelle Lage resultiert aus dem verschärften Wettbewerb der vergangenen Jahre und den Bemühungen der Unternehmen, durch Einsparungen ihre wirtschaftliche Effizienz zu steigern. Doch wer versucht, mit weniger Personal höhere Fahrleistungen zu erzielen, tut dies buchstäblich auf dem Rücken der Angestellten. Es ist ein Teufelskreis: Zu lange Arbeits- und zu kurze Ruhezeiten schädigen die Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen, ein erhöhter Krankenstand verschärft die Personalknappheit etc. Und das alles, wo Arbeitsbedingungen und Einkommen für die Beschäftigten attraktiver werden müssten, wenn die Branche eine Zukunft haben soll.


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Der demografische Wandel 



Denn der viel zitierte demografische Wandel hat im ÖPNV seine ganz eigene Ausprägung. Von den aktuell circa 135 000 Beschäftigten arbeiten rund 76 000 im Fahrdienst. 40 Prozent davon sind über 50 Jahre alt – Nachwuchs wäre also dringend gesucht. Nach Branchenschätzungen müssten in den kommenden sechs Jahren etwa 30 000 neue Beschäftigte eingestellt werden. Aber diese Zahl dürfte kaum zu erreichen sein, wenn der Beruf des Busfahrers mit Ausbeutung, Stress und Gesundheitsrisiken verbunden wird. Es wird also höchste Zeit, diese Missstände gemeinsam abzustellen.


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Und so sollte es eigentlich sein 



Der ÖPNV gehört zur Daseinsvorsorge, die der Staat sicherzustellen hat. Er bietet bezahlbare Mobilität für alle, garantiert eine funktionierende Infrastruktur und verhindert den Verkehrskollaps auf unseren Straßen. In den Städten vermindern Busse die Lärm-, Feinstaub- und Kohlendioxidbelastung, was auch zur deutlichen Verbesserung der Lebensqualität beiträgt. Wer mit Bus oder Bahn unterwegs ist, spart im Vergleich zum Auto 46 % Energie. Deshalb gehen die Fahrerinnen und Fahrer mit Stolz und dem guten Gefühl zur Arbeit, nicht nur Tausende Menschen sicher an ihr Ziel zu bringen, sondern auch zum Umweltschutz beizutragen. In der Branche herrscht ein Wettbewerb, der nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird, es gibt gute Arbeitsbedingungen und eine gerechte Entlohnung. Da wollen wir hinkommen.

Was jetzt zu tun ist


Dienstplan- und Arbeitsplatzgestaltung haben so zu erfolgen, dass sie die Fahrerinnen und Fahrer stärken und ihre Gesundheit erhalten. Dies beinhaltet z. B. die Einrichtung ergonomischer Sitze und ggf. den Einbau von Plexiglas-Schutzwänden, die Schaffung eines angenehmen Fahrzeugklimas, die Einhaltung zumutbarer Lenkzeiten und nicht zuletzt die Durchführung von Fahrsicherheits- und Deeskalationstrainings.

Investitionen in Infrastruktur und Job-Qualität


Um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, müssen Bund, Länder und Kommunen ausreichend öffentliche Mittel zur Verfügung stellen, und die Arbeitgeber müssen in Infrastruktur, Job-Qualität und die Verbesserung des Angebots für die Fahrgäste investieren. ver.di fordert, zu diesem Zweck mehr Haushaltsmittel aus den Steuereinnahmen des Verkehrsbereichs einzusetzen – z. B. aus der Kfz-Steuer, der Mineralölsteuer und der LKW-Maut. Jedes einzelne ver.di-Mitglied verleiht unserer Stimme dabei mehr Gewicht.



Wie ver.di vorgeht


ver.di vertritt sowohl die Mitglieder von kommunalen als auch von privaten ÖPNV-Unternehmen. In der Branche sind wir die dominierende Gewerkschaft und nehmen praktisch eine Alleinvertretungsrolle wahr. Für Sie als Gewerkschaftsmitglied ein großer Vorteil.

Unser Ziel ist die Absicherung unserer Mitglieder durch die Stärkung von Flächentarifverträgen, um die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Tarifverträgen aufzuheben. Wir kämpfen für tarifliche Regelungen zum Schutz der Beschäftigten sowie zur Gestaltung und Gewährleistung guter Arbeit und guter Bezahlung.

Wir arbeiten mit Gewerkschaften aus aller Welt zusammen

Was für den einzelnen Arbeitnehmer unmöglich ist, setzen wir gemeinsam mit Ihnen auf EU-Ebene um. Wir machen nicht nur Tarifpolitik, sondern mischen uns auch in die Debatte ein. Wir fordern die Einhaltung sozialer Standards bei der Auftragsvergabe und den verbindlichen Beschäftigtenübergang bei Ausschreibungen im ÖPNV.



Als Mitglied der Europäischen Transportarbeiterföderation (ETF) und der Internationalen Transportarbeiterföderation (ITF) arbeiten wir eng mit Gewerkschaften aus Europa und der ganzen Welt zusammen. Das ist wichtig, weil ein wachsender Anteil der gesetzlichen Regelungen im Personennahverkehr in Europäischen Verordnungen festgelegt ist. Aktuell kämpfen wir mit den anderen ETF-Gewerkschaften gegen die Pläne der EU-Kommission, die Lenk- und Ruhezeiten weiter zu verschlechtern.


Was wir schon erreicht haben und wie es weitergeht 



Bereits im Entscheidungsprozess um die EU-Verordnung 1370/2007 hat ver.di erfolgreich darauf hingewirkt, dass der von der EU-Kommission angestrebte Ausschreibungswettbewerb als einziger Weg verhindert wurde und Direktvergaben an kommunale Unternehmen weiterhin möglich sind. Andernfalls hätten immer tariflose Billiganbieter die öffentlichen Ausschreibungen gewonnen, und die Beschäftigten hätten es mit Lohndumping bezahlt.



Zwar unterliegen die Beschäftigten im ÖPNV nicht dem Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVÖD), sondern haben eigene Tarifverträge (TV-Nahverkehr, kurz TV-N). Weil aber in den Bundesländern Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Sachsen und Rheinland-Pfalz die TV-N in puncto Entgelthöhe und Arbeitszeit an die Verhandlungsergebnisse des TVÖD gekoppelt sind, erhalten die dortigen Beschäftigten die gleiche prozentuale Entgeltsteigerung. Dank dieser Kräftebündelung werden also auch sie in der Tarifrunde ÖD 2018 von den Verhandlungsergebnissen profitieren.

Durchgesetzt: der Demografie-Tarifvertrag


Darüber hinaus hat ver.di in den genannten sechs Bundesländern sowie in Bayern einen Demografie-Tarifvertrag abgeschlossen. Durch diesen Vertrag steht ein Prozent der Bruttolohnsumme jedes Betriebs für Maßnahmen zur Arbeitserleichterung zur Verfügung. Das können Gesundheitsförderung (Kurse zu Entspannung, Ernährung, Sport), Entlastungen in den Dienstplänen oder auch freie Tage wegen besonderer Belastungen sein. Der Vertrag enthält auch Regelungen zum Schutz bei Leistungsminderung (Kündigungsschutz, Schutz vor Herabgruppierung). 



Besonders da, wo viele Beschäftigte im Nahverkehr in ver.di organisiert sind, gelingt es, Verbesserungen zu erreichen. In Hessen wurde beispielsweise nach längerem Streik neben Lohnerhöhungen durchgesetzt, dass Wendezeiten bis zehn Minuten bezahlt werden; die nicht bezahlte Pausenzeit darf nur noch 11,1 bzw. 15,3 % der Dienstzeit betragen. Außerdem konnte den Kommunen abgerungen werden, die öffentlichen Gelder für den ÖPNV zu erhöhen.

Das darf aber nur der Anfang gewesen sein. Um noch mehr zu bewirken, ist es wichtig, dass wir uns organisieren, uns austauschen und uns gemeinsam für faire Arbeitsbedingungen einsetzen.