Fachbereich Verkehr

Flüchtlinge benötigen Schutz und Respekt

Flüchtlinge benötigen Schutz und Respekt

01./02.10.2015 - Der ver.di-Bundesfachbereichsvorstand Verkehr hat eine Resolution mit dem Titel "Flüchtlinge benötigen Schutz und Respekt" verabschiedet. Darin verurteilt der Bundesfachbereichsvorstand aufs Schärfste Angriffe und jede Form von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und fordert zur Unterstützung der Geflüchteten auf.

Die Resolution:

Flüchtlinge benötigen Schutz und Respekt

„Alle Menschen sollen frei von Armut und Not, von Ausbeutung und Unterdrückung leben. Sie haben das Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit, auf menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen, auf Anerkennung und Respekt.

Alle Menschen haben ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben und das Streben nach Glück; dies in Gemeinschaft und Verantwortung für die anderen und für das Überleben der Menschheit auf unserem Planeten.

Alle Menschen sollen frei sein von politischer Entrechtung, menschenunwürdiger Behandlung und politischer Fremdbestimmung. Sie müssen geschützt werden vor Verfolgung, Folter und Krieg.“ (ver.di Grundsatzerklärung vom 18. März 2010)“

Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der Migration. Das gilt auch für die Geschichte unseres Landes: Nicht erst seit den großen Auswanderungswellen im 19. Jahrhundert sind Millionen Menschen aus- und eingewandert.

Die Globalisierung hat die ganze Welt vernetzt. Für Menschen bedeutet Mobilität Freiheit, die Freiheit zu reisen, aber auch die Chance, vor Unterdrückung und Verfolgung, Bedrohung durch Krieg und Umweltkatastrophen oder Armut zu fliehen und ein besseres Leben an einem sicheren Ort zu finden.

Weltweit zwingen heute 31* Kriege und etliche Krisenherde ebenso wie Verfolgung aufgrund politischer bzw. sexueller Orientierung oder ethnischer Zugehörigkeit Menschen dazu, ihr bisheriges Leben aufzugeben, alles zurück zu lassen und sich auf eine lebensgefährliche Flucht zu begeben. Die Minderheit flieht nach Europa.

Menschen, die zu uns kommen, haben alles verloren, oft auch ihre Angehörigen. Häufig haben sie Entsetzliches erlebt, sind schwer traumatisiert und völlig verunsichert. Sie benötigen Respekt und Unterstützung, wie sie ihnen von vielen Menschen und Initiativen entgegengebracht werden, um ein menschenwürdiges Leben in unserer Gesellschaft zu führen.

Wir wollen diese Menschen nach Verfolgung und Not willkommen heißen. Menschen, die bei uns Schutz suchen, sehen sich oft mit sozialer Ausgrenzung, Isolation, aber auch verbalen und tätlichen Angriffen konfrontiert. Im vergangenen Jahr gab es 77 Angriffe auf Flüchtlinge und 153 Brandanschläge bzw. Sachbeschädigungen an Unterkünften. In diesem Jahr zählte die Polizei bereits über 500 Angriffe auf Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte. Dazu gehörten auch Angriffe auf bewohnte Unterkünfte, wie beispielsweise der Brandanschlag im niedersächsischen Salzhemmendorf. Begleitet wurden diese menschenverachtenden Taten durch rassistische und rechtsextreme Demonstrationen, die teilweise gewaltsamen Verlauf nahmen.

Wir verurteilen auf das Schärfste diese Angriffe und treten jeder Form von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit entschieden entgegen.

Wir fordern in Anlehnung an die Beschlüsse des DGB-Bundeskongresses 2014

  • Sicherstellung der Grundversorgung und hygienischer Bedingungen in den Unterkünften
  • Integrationsangebote und Bewegungsfreiheit für Asylsuchende und die entsprechende Finanzausstattung für Länder und Kommunen,
  • dass Asylsuchende in das Land ihrer Wahl einreisen dürfen und Ungleichgewichte zwischen den Ländern finanziell ausgeglichen werden - nur dadurch kann verhindert werden, dass verantwortungslose Schleuser Menschenleben gefährden,
  • ein gemeinsames europäisches Seenotrettungsprogramm,
  • dass im Rahmen der internationalen Institutionen Krieg und Hunger bekämpft wird, um die Ursachen zu beseitigen, die Menschen zur Flucht zwingen.

Wir stehen für eine Gesellschaft, in der soziale Gerechtigkeit und Demokratie die beherrschenden Werte sind. Gerechtigkeit heißt, den gesellschaftlichen Reichtum so zu verteilen, dass die immensen Unterschiede zwischen Arm und Reich vermindert werden und ein aktiver Sozialstaat finanziert werden kann.

Wir stehen für eine Gesellschaft, die Notleidende begrüßt und willkommen heißt. Das ist Teil unserer Geschichte als Gewerkschafter/-innen, wir haben nicht vergessen, dass Gewerkschafter/-innen nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch heute noch verfolgt werden und flüchten müssen.

*Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung, Universität Hamburg, Allende-Platz 1, D-20146 Hamburg