Hannover

Faktenblatt zur Aviation Handling Services Hannover (AHS)

Faktenblatt zur Aviation Handling Services Hannover (AHS)

Hintergründe zu den Arbeitsbedingungen bei der Tochter des Flughafens Hannover

Stand: 17. 10.2017

Hintergründe und Fakten zur Tarifauseinandersetzung bei der Tochtergesellschaft AHS des Flughafens Hannover


Eigentumsverhältnisse:

  • Zu 51% gehört die AHS dem Flughafen Hannover (je 35% Stadt H & Land NDS, 30% Fraport [ebenfalls >50% öffentlich])
  • Zu 49% gehört die Station der AHS Holding (29,75% Flughafen HAJ; 27,25% HAM [51% HH]; 12% BRE [100% HB]; weitere STR, FMO, CGN, NUE)
  • Ca. 160-170 Beschäftigte

AHS als treibende Kraft für den Verfall der Arbeitslöhne und Sozialdumping am Flughafen Hannover

2009 wurde Swissport von AHS übernommen, nachdem sich beide preislich gegenseitig unterboten hatten.
2014 kündigt LH die Schließung der Station Hannover an. Diese baut ihre Station aus Kostengründen in Hannover ab und überlässt dem Markt Anbietern mit geringen Sozialstandards wie der AHS.
2017 werden Tätigkeiten, die vorher vom Flughafen zu tarifvertraglichen Bedingungen ausgeführt wurden, von AHS übernommen.
Die Flughafentochter AHS deckt nun 90% der Passagierabfertigung am Flughafen Hannover ab.

 

Arbeitsbedingungen im Vergleich zum Mutterkonzern Flughafen Hannover und den Wettbewerbern vor Ort:

Während die Stammbeschäftigten des Flughafens Hannover nach dem Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes bezahlt werden, arbeiten die Beschäftigten der Flughafentochter AHS zum Einstieg auf Mindestlohnniveau ohne einen existenzsichernden Tarifvertrag.
Lohngefüge: Einstiegslohn 8,84€ bis max. 12,69€ nach 12 Jahren. (Ausnahme: Duty Officer, Operations und Sekretariat).

Beispiel: Eine 50jährige Teilzeitbeschäftigte arbeitet bei der AHS Hannover effektiv Vollzeit und verdient netto 1.180 Netto, plus 150 Euro steuerfreie Zuschläge.
Zum Vergleich: beim Konkurrenzunternehmen Avia Partner am Flughafen verdienen Beschäftigte für die gleiche Arbeit als Einstiegslohn ca. 1, 50 Euro pro Stunde mehr.
Die Beschäftigten bei der Flughafentochter AGS, welche die Gepäckabfertigung übernimmt, verdienen zum Einstieg 12,20 Euro, das sind rund 3,50 Euro mehr als ihre Kollegen und Kolleginnen bei der AHS.

Erst nach 10 Jahren verdient man als Führungskraft einen Stundenlohn, den die Sicherheitsfirma stündlich nach wenigen Jahren fürs Bordkartenkontrollieren zahlt, das sind knapp 15 Euro.
Die Beschäftigten beim Mutterkonzern Flughafen Hannover verfügen teilweise über einen mehrmonatigen Dienstplan im Voraus. Innerhalb dieses Dienstplanes werden die Schichten erst nach mehreren Wochen gewechselt. Die Beschäftigten der AHS arbeiten meist nach einem 14-Tagesplan, innerhalb dessen die Schichten täglich wechseln können. Arbeitszeit wird teilweise von Tag zu Tag geändert. Ein regelmäßiger Schlafrhythmus sowie ein ausgewogene Sozialleben werden dadurch fast unmöglich.

Die Beschäftigten des Flughafen Hannovers und der Flughafentochter AGS erhalten Jahressonderzahlung. Die Flughafenbeschäftigten erhalten darüber hinaus noch eine jährliche Ertragsbeteiligung. Bei AHS gibt es ggf. je nach Ertragslage eine freiwillige, niedrige Jahresendgratifikation.
Während neu eingestellte AHS Beschäftigte nur 24 Tage erhalten haben die Beschäftigten der Muttergesellschaft 30 Tage Urlaub.

Folgen:

  • Viele alleinerziehende Beschäftigte müssen beim Amt aufstocken, weil das Geld nicht reicht
  • Viele Beschäftigte müssen noch einen Nebenjob machen, damit das Geld reicht.
  • Es kommt immer wieder vor, dass Beschäftigte sich beim Arbeitgeber einen Vorschuss holen müssen, auch hier, weil die Bezahlung der AHS nicht existenzsichernd ist.
  • Da die Löhne so niedrig sind, arbeiten viele Beschäftigte nachts und sonntags, weil sie ohne die entsprechenden Zulagen finanziell nicht um die Runden kommen.
  • Durch die niedrigen Löhne müssen viele Beschäftigten bis zu 50 Stunden pro Woche arbeiten, damit die Lebenshaltungskosten gedeckt werden.

 

Hoher Stress mit wenig Personal

Das in den letzten zehn Jahren enorm gestiegene Passagieraufkommen wird mit gleichbleibender Belegschaft gestemmt. Allein im ersten Halbjahr stieg die Zahl der Fluggäste im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um 4,9 Prozent auf 2,56 Millionen Passagiere.
(https://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/921762/mehr-passagiere-am-flughafen-hannover-einbussen-in-bremen).
Das ganze ohne mehr Personal, weil für das Geld Beschäftigte kaum noch zu rekrutieren ist. Die Beschäftigten der AHS geben an, dieser Sommer sei in Punkto Belastung der bisher Schlimmste bisher gewesen. Die AHS findet keine Leute mehr zu den Mindestlöhnen und haben Aufgaben von der Lufthansa übernommen.

Folgen:

  • lange Schlangen beim check- in
  • daraus folgend wütende Passagiere (insbesondere beim Billig-Flieger,  da dort oft extra Kosten auf die Passagiere zukommen),
  • hohe Krankenquote wegen hoher körperlicher und psychischer Belastungen

wegen fehlendem Nachtflugverbot werden viele Maschinen nach Hannover umgeleitet. Der Flughafen erwirkt hier Extraeinnahmen, ohne dass das dafür notwendige Personal vorzuhalten.

Nach intensiver Diskussion mit den in der Gewerkschaft ver.di organisierten Beschäftigten hat die Tarifkommission folgende Forderungen beschlossen:

  • 2 Euro mehr Stundenlohn für alle Beschäftigten
  • Eine Entgelttabelle, die sowohl die Qualifikation als auch die Beschäftigungszeit der Beschäftigten berücksichtigt
  • 13. Monatsgehalt (Durchschnitt der letzten 12 Monate)
  • Ausgleich für Wechselschicht
  • Recht auf Aufstockung auf Vollzeitverträge vor Neueinstellungen
  • Zuschläge für Überstunden, Nacharbeit, Dienstplanänderungen
  • Mind. 27 Urlaubstage mit zügiger Staffelung bis 30 Tage bei einer 5 Tage Woche

Die Tarifverhandlungen bei der AHS Hannover sind Teil der bundesweiten ver.di Initiative „Damit fliegen sicher bleibt“ ein für existenzsichernde, die Gesundheit und die Flugsicherheit erhaltende Arbeitsbedingungen im Bodenverkehrsdienst. Da die Flughäfen und privaten Anbieter von Bodenverkehrsdienstleistungen unter enormem Preisdruck der Fluggesellschaften stehen, fordert ver.di alle Unternehmen zum Abschluss eines Branchentarifvertrages auf, um so die Arbeitsbedingungen dem Preisdruck zu entziehen und die Branche für die Zukunft abzusichern.

Weitere Informationen: https://www.verdi-airport.de

v.i.S.d.P: Marian Drews, verdi, Fachbereich Verkehr, Goseriede 10 in 30159 Hannover