Eurowings

Tarifkommission Eurowings Kabine

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Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

wie bereits in unserer Veröffentlichung vom Januar erwähnt, gilt weiterhin der in der ebase veröffentlichte MTV. Nur die Einsatzbedingungen haben sich vorerst geändert. Da es bei euch noch so viele Fragen gibt und die Veröffentlichung seitens des Arbeitgebers nicht in allen Punkten eindeutig war, hier nochmal genauere Erklärungen. Das ist leider ein sehr langer Text, aber wir denken, dass es sich wegen der vielen Unklarheiten lohnt, sich bis zum Ende durchzukämpfen. Wir haben die Darstellung der Einsatzbedingungen mit der Crewplanung abgestimmt und unsere Bewertungen und Kommentare hinzugefügt:

 

Reserve 12:
Diese Tage sollen genutzt werden, um längerfristige Ausfälle abzudecken. Für eine Krankmeldung von z.B. vier Wochen sollen also keine Stbys mehr aktiviert werden, sondern Reserve 12. Somit weiß man bei Reserve 12 in der Regel schon deutlich früher, was zu fliegen ist.

Sollte bis zum Vortag keine Aktivierung erfolgt sein, heißt das, der Tag könnte auch in "dienstfrei" (nicht OFF!) gewandelt werden. Hierzu muss bis spätestens 18 Uhr am Vortag Kontakt zu CC aufgenommen werden, um zu erfahren, ob Dienst oder dienstfrei geplant ist. Wer in OFF, Urlaub oder nach Feierabend keinen Kontakt mit EW aufnehmen will, bekommt automatisch Stby ab 6 Uhr für den nächsten Tag. Auf unsere Nachfrage, wie lange dieser Stby dauert, wurde uns seitens des Arbeitgebers geantwortet, dass es an dieser Stelle keine generelle Regelung gäbe. Es hinge auch von den Diensten am Folgetag ab. Das ist in unseren Augen zu ungenau und muss bessert geregelt werden.

Kontaktaufnahme heißt: Entweder ihr ruft bei CC an, checkt eure Notifications (falls funktionsfähig), schreibt eine Mail oder geht ans Telefon, wenn CC euch anruft.

Wenn der Reservetag in dienstfrei gewandelt wird, zählt er nicht als OFF-Tag und darf zu einem späteren Zeitpunkt nicht mit OFF verrechnet werden, wenn ihr z.B. in einen OFF-Tag geflogen seid.

Achtung: Hier der Text des MTV GWI: "Bei Ausfall eines geplanten Stby-Dienstes (z.B. wegen Krankheit) können Reserve12-Dienste in STBY-Dienste umgewandelt werden."

Hier sieht der Arbeitgeber es so, dass Reserve12 immer, auch mit größerem Vorlauf, in Stby gewandelt werden kann. Nach unserer Auffassung muss man es so lesen, dass Reserve 12 nur in Stby gewandelt werden darf, wenn auch Stby wegen länger abzusehender Abwesenheit (kann Krankheit sein, aber auch die Abberufung vom Stby zu einem Trainereinsatz oder PV-Tag oder Ähnliches) abzudecken ist! Dies muss noch geklärt werden.

Und natürlich, wie gesagt, wenn bis 18 Uhr kein Kontakt entstanden ist.

Wie bei Stby gibt es auch bei Reserve12 keine Limitierung, wie oft pro Monat man das haben darf.

Am Stück werden aber nicht mehr als fünf ReserveDienste geplant und davon dürfen max. zwei in Stby umgewandelt werden.

RISIKO: siehe Stby, außerdem ist Wandlung Reserve in Stby nur schlecht nachzuprüfen. Also besser immer genau nachfragen.

GEWINN: (gegenüber normalem Stby): Man weiß am Vortag definitiv, was Sache ist.

 

Dispo OFF:
Der disponible OFF ist so ähnlich wie unsere alten OX-Tage, da der Mitarbeiter 72 Stunden (drei Tage, wie gewohnt) vorher aktiviert werden muss. Bei späterer Aktivierung und Einverständnis des MA erhält man eine Zahlung von 200€.

Aber anders als bei OX wird man aber immer 10 fixe OFF-Tage in jedem Monat haben. Einen Dispo-OFF, der in dienstfrei (auch hier: nicht OFF!) gewandelt wird, erhält man sozusagen on top.

Durch diese Änderung wird unser Jahres-OFF auf mindestens 125 Tage erhöht, 12 mal 10 OFF macht 120 OFF, plus mindestens 5 Dispo-OFF, die nicht gewandelt werden dürfen (irgendwann heißen sie dann Dispo-Fix).

Bis zu drei Tage vorher, wie gesagt, kann der Dispo-OFF auch in einen Dienst gewandelt werden. Auch in Stby. Allerdings nur zwei pro Quartal, drei pro Halbjahr und fünf pro Jahr. Kommt drei Tage vorher kein Kontakt zustande, bleibt es bei Dispo-OFF.

RISIKO: erst mal keines

GEWINN: 10 sichere OFF-Tage

 

Stby nach Easa-Ops:
Zunächst nochmal der Unterschied zu Reserve 12: Stby soll nur noch für kurzfristige Änderungen, die erst am Einsatztag oder nach 18 Uhr am Vortag bekannt werden, verwendet werden.

Ab sofort erhalten wir für Stby-Tage eine Zeitgutschrift von 21 Minuten pro angefangener Stunde, maximal 3:30 Stunden pro Tag.

Sollte eine Aktivierung für einen Umlauf erfolgen, der kürzer als 3:30h ist (z.B. nur ein Leg oder ein Proceeding), werden trotzdem mindestens 3:30 gutgeschrieben. Bei längeren Diensten werden nur die geflogenen Zeiten berechnet.

Bei einer Aktivierung, die vor Beginn des Stby-Tages erfolgt, gilt das leider nicht. Hier handelt es sich um eine Dienstplanänderung.

Die bisherige Limitierung von 14 Stunden FDZ ab Stby-Beginn entfällt leider.

Hier greift die Easa-Ops, die für uns schlechtere Limitierungen vorsieht. Daher ist es nun möglich, aus einem Stby Early für einen Spätdienst aktiviert zu werden.

Erfolgt eine Aktivierung innerhalb der ersten sechs Stunden nach Stby-Beginn, beginnt die FDZ mit C/I, die max. FDZ ergibt sich entsprechend.

Erfolgt eine Aktivierung jedoch NACH Ablauf von sechs Stunden ab Stby-Beginn, wird die über sechs Stunden hinausgehende Zeit von der maximalen FDZ, beginnend mit der C/I-Zeit, abgezogen.

Beispiel:
Stby ab 10:00h. Aktivierung (egal, um welche Uhr- zeit) für C/I um 17:00 für zwei Legs. C/I ist also erst7 Stunden nach Stby-Beginn. Die sechs Stunden wurden um 1 Stunde überschritten, folglich muss von der max. FDZ eine Stunde abgezogen werden. Die max. FDZ beträgt in diesem Fall (C/I 17:00h für zwei Legs) 11 Stunden, minus eine Stunde: zehn Stunden. Somit muss man spätestens um 03:00 C/O haben. Auch extended Dienste gehen. In dem Fall müsste um 04:00 C/O sein.

Anders ist es bei Stby, der vor 7:00 Uhr beginnt. In diesem Fall wird lediglich die über sechs Stunden hinausgehende Zeit zwischen Anruf und C/I Zeit von der maximalen FDZ abgezogen, das heißt, der Beginn der Stby-Zeit ist hier nicht maßgeblich.

Beispiel:
Stby ab 4:00 Uhr. Aktivierung um 10:00 Uhr für vier Legs mit C/I um 13:00 Uhr. Zwischen Anruf und C/I liegen weniger als sechs Stunden, also greift die maximale FDZ (C/I 13:00 Uhr für vier Legs) von 12:00 Stunden.

Anderes Beispiel:
Stby ab 4:00 Uhr. Aktivierung um 7:00 Uhr für vier Legs mit C/I um 15:00 Uhr. Maximale FDZ also 11:00 Stunden. Zwischen Anruf und C/I liegen also mehr als sechs Stunden, nämlich genau zwei. Diese müssten von der max. FDZ abgezogen werden, dann käme man auf 9:00 Stunden. Da CC aber nicht doof ist, werden sie nicht zu früh anrufen, also kommt das im realen Leben nicht zum Tragen.

RISIKO: Änderung der Folgetage, instabile Dienstpläne

GEWINN: Stby wird zumindest ein bisschen bezahlt, wenn man nicht fliegt.

Dienstplanänderungen:
Ab sofort sind die Dienstplanänderungen nicht mehr limitiert.

Heißt, egal wie oft der Dienstplan geändert wird, wir müssen diese Änderung annehmen.

RISIKO: instabile Dienstpläne

GEWINN: keiner

11:30h-Regelung:
Umläufe mit vier Legs sind auf eine FDZ von GEPLANTEN 11:30h limitiert. Bei zwei Legs gilt aber nach wie vor die EASA-Limitierung.

RISIKO: keines

GEWINN: So was wie früher Warschau-Valencia oder andere Kracher können nicht mehr geplant werden.

Freizeitmodell:
Hier handelt es sich um ein ziemlich kompliziertes Konstrukt. Wir wollen versuchen, die wichtigsten Inhalte zu erläutern.


Die eigentliche Idee ist es, immer nur fünf Einsätze geplant zu bekommen, und dann mindestens zwei OFF.

Sechs Dienste am Stück können nur noch mit Zustimmung des Mitarbeiters geplant werden. Ist dies der Fall, lautet die Formel: zwei OFF-sechs Dienst-drei OFF und ein zusätzlicher arbeitsfreier Tag.

Ein einzelner OFF geht maximal einmal im Monat, dann aber nur wie folgt: drei Dienst-ein OFF-vier Dienst-zwei OFF.

Bei Verletzungen dieser Regelungen wird dem Mitarbeiter ein weiterer arbeitsfreier Tag gewährt.

Fliegt man in seinen OFF-Tag, wird dieser auf jeden Fall nachgewährt. Hat man nur das Minimum von 10 Off, geschieht dies im laufenden Monat. Hat man mehr als 10 OFF, wird er innerhalb der nächsten zwei Monate nachgewährt.

RISIKO: schlechte OFF- und Einsatzplanung für Pendler und auch in einigen TZ-Modellen

GEWINN: sechs Tage arbeiten am Stück gehören der Vergangenheit an.

 

Krank:
Ab sofort erhalten wir keine Stundengutschrift für Krankheit mehr. Das soll die Stby-Zeitgutschrift ausgleichen. Ob sich das für rechnet ist schwer zu sagen. Laut internen Berechnungen macht sich das nur bemerkbar, wenn man weniger als vier Tage pro Monat krank ist. Es gilt, das zu beobachten.

RISIKO: Kollegen kommen krank arbeiten, erarbeitete Überstunden verfallen

GEWINN: keiner

 

Urlaub:
Natürlich bleibt die BV Urlaub weiter in Kraft. Neu ist nur folgendes:

Vor einem Urlaub endet der Flugdienst um spätestens 16 Uhr, nach einem Urlaub beginnt der Flugdienst nicht vor 9 Uhr. Diese Regelung ist für alle die sehr gut, denen es egal ist, ob sie früh oder spät fliegen.

RISIKO: Wer nur früh fliegen möchte oder muss, hat nach dem Urlaub ein Problem. Und wer auf Spätdienst abonniert ist, wird vor dem Urlaub nicht zufrieden sein. Hier hilft nur unser altbewährter O_U-Request, um diese Regelung zu umgehen.

GEWINN: Wie gesagt, nur für die, denen früh oder spät egal ist.

Bitte macht euch in eurem eigenen Interesse auch nochmal die Mühe, die Crew Info 414/2017 vom 21.12.17 zu lesen. Darüber hinaus ist es sinnvoll, sich mit Chapter 7 des OM-A auseinanderzusetzen, in dem die Regelungen zu den Flugdienstzeiten genau beschrieben sind (Easa-Ops). Ihr wisst ja, nur wer gut informiert ist, kann seine Rechte durchsetzen.

Sollte euch während des Flugeinsatzes Zweifel kommen, ob alles legal ist, dann habt ihr immer die Möglichkeit, euch das OM-A aus dem Cockpit (digital) geben zu lassen, um sämtliche Regularien nachlesen zu können. Oder ihr führt einen Ausdruck der paar Seiten ständig mit euch, denn keiner kann all die Tabellen mit den maximalen Flugdienstzeiten im Kopf haben.

Wir werden uns diese Neuerungen die nächsten Wochen anschauen und sind dazu auf euer ehrliches Feedback angewiesen. Positiv wie negativ. Für euer Feedback und eventuelle Fragen, die noch entstehen, gilt: schreibt uns, legt uns eine Nachricht ins Fach, ruft uns an, sprecht im Flugdienst mit uns.

 

Wir halten euch auf dem Laufenden! Mitglied werden lohnt sich!

Eure ver.di-Tarifkommission Eurowings Kabine

Carola Werner, Christina Klein, Diana Diszeratis, Monika Ritz, Markus Laaks, Robert Hengster (ver.di), Volker Nüsse (ver.di)